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„The King’s Speech“ gewinnt vier Oscars

Damit ist der Film neben „Inception“ (ebenfalls vier Oscars) der Gewinner der diesjährigen Oscar-Verleihung. Ist das jetzt Politik, oder geht es hier ausschließlich um filmische und künstlerische Aspekte? Nennt mich paranoid, nennt mich verrückt, aber ich glaube, hier spielt ein gesundes Maß Politik mit rein. Einige Überlegungen:

Der Film dreht sich um den englischen König Georg VI., welcher zunächst ein Stotterer ist, sich dies aber mit Hilfe eines australischen Sprachtherapeuten abgewöhnt und so pünktlich zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine Rede flüssig halten kann, die der Rechtfertigung einer britischen Politik der Kriegstreiberei, welche auf Eskalation abzielt, sowie der Einschwörung der Nation dient. Damit fällt er in die Kategorie „Kriegsfilm“ im weitesten Sinne. Es geht also mal wieder gegen die Hunnen. Ich notiere: Es stand dieses Jahr kein anderer Film auf dem Plan, in welchem dieser glorreiche Krieg gegen die deutschen Barbaren thematisiert wird. Weiterhin: Den Oscar für den besten Film verlieh kein geringerer als der berühmt-berüchtigte Deutschenhasser Steven Spielberg.

Dieser Film zementiert geschichtliche Ansichten, nach denen England praktisch in den Krieg gezwungen wurde, sich nur verteidigte, sowieso im Recht war und für die Freiheit etc. etc. kämpfte. Das ist die Aussage der Hetzrede, und diese wird nun mit einem Oscar-überhäuften Film nochmals in Erinnerung gerufen und damit als wahrhaftig legitimiert, der König heroisiert und natürlich kein Zweifel daran gelassen, dass das alles so seine absolute Richtigkeit hat. Das einseitige Geschichtsbild Hollywoods wird damit weiter erhärtet, wie seit mittlerweile über 70 langen Jahren.

Es gibt schon sporadische Forschung in die Richtung, dass die Geschehnisse relativiert und revidiert werden, ich brauche das hier jetzt nicht alles aufzuzählen, es seinen nur Stefan Scheil und Gerd Schultze-Rhonhof hier genannt. Leider jedoch noch viel zu wenig. Es sollte ergebnisoffen, objektiv und fair geforscht werden, ohne Ideologie und ohne die Sicht einer Kriegspartei vollständig zu übernehmen. Klingt vielleicht naiv, aber es wird irgendwann so kommen. Ein riesen Problem ist natürlich, dass Historiker zum allergrößten Teil am Tropf des Staates hängen, und damit bei kontroversen Ansichten schneller raus sind, als sie „Überfall“ sagen können. Ich behaupte (im Gegensatz zu den verdammten Nazis) nicht, dass Hitler ein Chorknabe war; die Annexion der Tschechei oder der Angriff gegen Polen waren aggressive Handlungen und alles andere als Selbstverteidigung. Aber natürlich hatte auch England Interessen, und diese waren ebenso wenig friedliebend. Vor allem die Aussage, der Zweite Weltkrieg sei England aufgedrängt worden, wie schon der Erste, bereiten mir doch arge, arge Bauchschmerzen.

Umso eher freuen sich natürlich Spielberg und Hollywood, dass dies mit dem Film jetzt nochmal klargestellt wurde.

Die Rede ist übrigens hier anzuhören. Eine Abschrift:

In this grave hour, perhaps the most fateful in our history, I send to every household of my peoples, both at home and overseas, this message, spoken as I were able to cross your threshold and speak to you myself.

For the second time in the lives of most of us we are at war. Over and over again we have tried to find a peaceful way out of the differences between ourselves and those who are now our enemies. But it has been in vain. We have been forced into a conflict. For we are called, with our allies, to meet the challenge of a principle which, if it were to prevail, would be fatal to any civilised order in the world.

It is the principle which permits a state, in the selfish pursuit of power, to disregard its treaties and its solemn pledges; which sanctions the use of force, or threat of force, against the sovereignty and independence of other states.

Such a principle, stripped of all its disguise, is surely the mere primitive doctrine that might is right; and if this principle were established throughout the world, the freedom of our own country and of the whole of the British Commonwealth of Nations would be in danger. But far more than this – the peoples of the world would be kept in the bondage of fear, and all hopes of settled peace and of security of justice and liberty among nations would be ended.

This is the ultimate issue which confronts us. For the sake of all that we ourselves hold dear, and of the world order and peace, it is unthinkable that we should refuse to meet the challenge.

It is to this high purpose that I now call my people at home and my peoples across the seas, who will make our cause their own. I ask them to stand calm, firm and united in this time of trial. The task will be hard. There may be dark days ahead, and war can no longer be confined to the battlefield. But we can only do the right as we see the right, and reverently commit our cause to God. If one and all we keep resolutely faithful to it, ready for whatever service or sacrifice it may demand, then, with God’s help, we shall prevail. May He bless us and keep us all.

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  1. blacksun87
    28. Februar 2011 um 19:08

    Die Kolonien wurden auch den Briten aufgedrängt…

    die Einheimischen sagten einfach; bitte hier habt ihr unser Land, macht uns zu Sklaven 😉 Polen war doch damals der reinste Schurkenstaat 😉 Also schlimmer als die Staaten die ich heute kenne. Mit den Amis zu vergleichen die in andre Länder einmarschieren. Die Polen konnten sich nicht zufrieden geben mit einem Polen auf dem nur Polen leben… also kleiner! Wenn heute jemand den Iran einen Schurkenstaat nennt kann ich nur lachen… immerhin überfall dieser nicht ständig seine Nachbarn und annektiert Gebiete…



  2. 28. Februar 2011 um 21:37

    Der Film dient der Legendenbildung und für das Geschichtsbild der (jüngeren) Anglo-Amerikaner – gerade auch der 3. Welt-Immigranten.

    Zudem gab es in den letzten Jahren einige stark antideutsche Filme:

    Inglorious Bastards
    Der Vorleser (ganz übel)

    England hat keine ewigen Verbündeten, nur ewige Interessen. Windsor sitzt fest im Sattel.

  3. Marco S.
    3. März 2011 um 15:33

    „Ich behaupte (im Gegensatz zu den verdammten Nazis) nicht, dass Hitler ein Chorknabe war;“

    Das unterschreibe ich.

    „die Annexion der Tschechei oder der Angriff gegen Polen waren aggressive Handlungen und alles andere als Selbstverteidigung.“

    Das unterschreibe ich nicht in dieser Form.

    Nach vielen Gesprächen mit Zeitzeugen und außenpolitischer Auswertung der damaligen Um- und Zustände ,der europäsischen Geschehnisse um den Völkerbund herum und deren Verträge (Versailles, Saint-German, Abrüstungsbeschlüsse) kann ich gemäß deiner Äußerungen diese Handlungen nicht als einseitige Aggressorakte werten.

  4. Federschlag
    7. März 2011 um 14:03

    @Grafenwalder:

    Lese ich richtig, daß die Scheil und co. positiv siehst, da sie in diese Richtung forschen? Das sind doch auch welche von denen „verdammten Nazis“, die den bösen Hitler verharmlosen wollen. Bist du jetzt etwa auch ein Nazi oder was? Denn jeder, der an solchen Sachen wie etwa der Alleinschuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg Zweifel hat, will den Nationalsozialismus (schlimmer als 10.000 Jahre Atomkrieg) verharmlosen und das geht nicht, Junge! So ganz verstehe ich deine Ideologie noch immer nicht …

    Zum Film:

    War er wirklich deutschfeindlich? Ich würde sagen, das Verhältnis zum Deutschen Reich war ja nicht zentraler Bestandteil des Filmes. Gut, es wurde natürlich so dargestellt, als ob man sich rein verteidigen müßte. Wer da wem den Krieg erklärte, wurde nicht gesagt, aber es gab doch schon deutlich schlimmeres in dieser Richtung. Als Hetze gegen das Deutsche sehe ich den Film jedenfalls nicht.

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