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Ist Truchtersheim etwa Deutschland?

Das pro-israelische und anti-islamische Internetportal PI-News jedenfalls möchte in Sarkozys jüngstem Fauxpas gerne eine schwere Verfehlung des französischen Präsidenten sehen. Dieser hatte sich in einer Rede bei einem unwichtigen Kaninchenzüchter-Eröffnungsfeier-Termin in Truchtersheim kurzzeitig in Deutschland gewähnt. Päpstlicher als der Papst, politisch korrekter als die Mainstream-Presse, ja durchaus mit dieser vergleichbar, macht PI nun einen auf „Empörung“.

Denken wir nur an den etwas ähnlich gelagerten Fall des chilenischen Präsidenten Piñera („Deutschland über alles“). Auch hier wollte die deutsche Presse „Empörung“ schüren, und Piñera sah sich schließlich dazu genötigt, sich bei Türken-Wulff zu entschuldigen, nicht jedoch ohne eine süffisant verpackte Kritik an der geschichtsvergessenen deutschen Polit- und Medien-„Elite“. Das sind so die Meldungen, wegen denen ich die Typen bei PI manchmal echt für durchgeknallt halte. Deshalb bin ich kein „PI-ler“! Die haben dort entweder kein Gespür für patriotische deutsche Empfindlichkeiten, oder sie schießen solche Leuchtfeuer quasi als Alibi vorsätzlich ab, vermutlich um der Nazi-Keule zu entgehen oder was weiß ich. Natürlich vergeblich, das muss nicht erwähnt werden. Das einzige, was sie damit erreichen, ist die eigene Leserschaft zu verprellen.

Um das klar zu machen: Das Elsass wird nie wieder deutsch werden. Jegliche Forderungen oder Träumereien in diese Richtung kommen nur aus der Nazi-Ecke. Territoriale Erweiterungs- oder Rückeroberungsfantasien in Europa, insbesondere „im Westen“ gehören nicht ins 21. Jahrhundert. Deutschland hegt hier keine Ambitionen mehr, und auch aus Frankreich vernehme ich Gottseidank keine Rufe mehr, jenes bis an den Rhein zu erweitern.

Auch falls Belgien zerbrechen sollte, was nicht gänzlich unmöglich ist, wäre es alleine den dortigen Sprach- und Volksgruppen überlassen, ihre jeweilige Staatszugehörigkeit zu regeln. Erst dann, und nur dann, wenn diese in Deutschland anklopfen, sollte hier eine (Wieder-) Vereinigung überhaupt erwogen werden. Genauso klar ist selbstverständlich, wie dann die Antwort einer heimattreuen Partei auszufallen hat. Aber die Reihenfolge,  das taktische Vorgehen ist hier doch entscheidend, herrje ist das denn so schwer zu begreifen? Alles vorschnelle Geschwätz von Seiten parteipolitisch zuordbarer Mandatsträger ist kontraproduktiv und macht die Rechte nur unnötig angreifbar.

Doch ist ebenso natürlich klar, dass die Geschichte des Elsass (auch und vor allem) deutsch ist. Deutsch – Französisch – Elsässisch. Niemand darf die Vergangenheit umdefinieren. Nicht im Fall Piñera, und auch nicht jetzt im Fall Sarkozy. Wenn bspw. die linke Welt gegen Piñera schießt, weil dieser noch einen Sinn für die deutsche Geschichte hat, und wenn dieses Drecksblatt das Deutschlandlied dann zur „Nazi-Hymne“ macht, dann muss dem energisch widersprochen werden. Genauso wird auch jetzt widersprochen, wenn PI-News genau in dieses Horn stößt:

“Ich sage das nicht nur, weil ich mich in Deutschland befinde” und daraufhin korrigierend “Ich bin im Elsass”. Die Zuhörer regierten schwer geschockt, zumal das Elsass seit Jahrhunderten ein Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland war und die Elsässer seit 70 Jahren wieder ihre französische Identität aufbauen.

Sarkozy versuchte vergeblich, seinen Fehler wiedergutzumachen, indem er seine Nase tief ins elsässische Stroh steckte (Foto). Doch damit war auch nichts mehr zurückzugewinnen. Ein dümmerer Fauxpas hätte ihm kaum unterlaufen können.

Was sollen diese Zeilen? Wenn Sarkozy durch diesen freud’schen Versprecher die deutsche Geschichte des „französischen“ Truchtersheim und des Elsass bestätigt, schmunzelt der Kenner, oder er schweigt. Wer kann denn da, als Deutscher, oder auch als echter Elsässer, künstlich empört sein? „Schwer geschockt“ – Ach du liebe Zeit. „Die Elsässer seit 70 Jahren wieder ihre französische Identität aufbauen“ – Die Armen. Wie ein junges, zartes, zerbrechliches Pflänzchen hadern sie nun seit 70 kurzen Jahren, und gerade jetzt, in dieser fragilen Phase, kommt ein Sarkozy und macht alles wieder zunichte!

PI-News – Ein dümmerer Fauxpas hätte ihnen kaum unterlaufen können.

Ergänzung: Auch die anwesenden Zuhörer nahmen es wohl lockerer, als es uns diverse Journalisten und PI glauben machen mögen:

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  1. BW
    20. Januar 2011 um 18:39

    Truchtersheim klingt doch auch schon übelst französisch,oder? 😉
    Wie auch immer,das Ding mit dem Elsass ist Geschichte,mann kann ja nun auch nicht um jeden Quadratmeter der mal zum Reich gehört hat erbittert kämpfen(bei unserer „Ostgrenze“ sehe ich dass allerdings anders!).
    Wenn sich im Elsass noch etwas Deutsche Kultur und Brauchtum halten würden, wäre ich schon froh.

    Überhaupt ein guter Artikel,besteht wohl doch noch Hoffnung bei dir? 😉

  2. blacksun87
    20. Januar 2011 um 19:20

    Vielleicht macht man dort auch mal ne Volksabstimmung… aber was zählt das schon nach 70 Jahren Frankreich? Ich weis nicht wieviele Deutsche dort leben und wieviele Franzosen dorthin gezogen sind usw. Aber wenn sich Frankreich einen Teil von Belgien schnappen darf… warum dürfen wir Deutschen nicht endlich alle in einem Land leben… wirtschaftlich gesehen geht von China ja jetzt mehr Gefahr aus… dumm nur das es jetzt Atomwaffen gibt… sonst hätte es schon längst nen Krieg gegen die Gegeben… was ja auch Wikileaks enthüllt hat.

  3. Romantiker
    20. Januar 2011 um 21:58

    Bei PI weiß ich immer nicht. Könnte auch durchaus sein, dass sie dort schon prodeutsch und gewissermaßen national sind, das allerdings nicht zeigen können oder wollen, aber durch solche Beiträge ihre Leserschaft dazu bringen, über das Thema nachzudenken, zu schreiben und dadurch eine andere Stimmung entstehen lassen, als der Artikel selbst versprüht. Dafür müssen dann halt so merkwürdige Beiträge herhalten.
    Ähnliches ist mir schon bei dem Hetzartikel gegen einen alten SS-Mann aufgefallen.

  4. Fahnenträger
    21. Januar 2011 um 18:25

    Elsaß-Lothringen ist ur-deutsches Land, daß dank einer Volksabstimmung seit Ende des 2.Weltkrieges an Frankreich gegangen ist. Elsaß-Lothringen ist kein Stück Frankreichs aber es ist Teil, des französischen Staatsgebietes. Ob es einem nun gefällt oder nicht.

    • Romantiker
      21. Januar 2011 um 19:59

      Leider sehen sich durch die Ereignisse während des 12 jährigen Reiches viele Volksdeutsche bzw. die Bewohner des(ehemaligen) Reichsgebietes mit Deutschland nicht mehr verbunden, sondern stehen eher abneigend Deutschland gegenüber. Schon allein der reinen Weste wegen. Ob nun Holländer, Luxemburger, Flamen, Österreicher, Schlesier, Elsässer. Die wollen alles sein, nur keine Deutschen (wobei man sagen muss, dass eine eigene Identität schon immer da war, bei einigen mehr, bei anderen weniger). Dazu haben auch Briten und Amerikaner das Gefühl für ihre deutschen Wurzeln verloren.
      Die einzigen, die wirklich zu Teilen noch deutsch fühlen, sind die Südtiroler.

  5. Meier
    22. Januar 2011 um 21:14

    Das Elsass war immer deutsch und wurde erst durch den französischen Eroberungswahn Frankreich einverleibt. Eine Rückkehr zu Deutschland wäre also nur billig und recht.

    • blacksun87
      23. Januar 2011 um 01:19

      Das sieht man ja auf der Karte schon… wärend überall größere Gebiete an den Grenzen sind ist es an der Grenze zu Deutschland anders!

  6. 23. Januar 2011 um 19:57

    Schaut Euch bitte mal mein Gravatar an – oben -. Da seht Ihr noch ein schön großes Deutschland.

  7. mm...
    23. Januar 2011 um 23:10

    @Meier, blacksun87, niekisch
    Hier hab‘ ich was für euch:
    http://www.tri-tra-traeumerle.de/

    • 24. Januar 2011 um 14:41

      Das ist wirklich mal ein origineller link, mm:-)

  1. 20. Januar 2011 um 22:57

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