Startseite > Deutschland, Linke, Rechtsparteien, Szene > Aussage gegen Aussage

Aussage gegen Aussage

Mit einem größtenteils nicht-hetzerischen Artikel im neusten Spiegel konnte „Die Freiheit“-Günder René Stadtkewitz offenbar einen Coup landen. Für die Partei, von der noch nicht ganz klar ist, ob und wie „rechts“ sie eigentlich ist, dürfte sich hierdurch ein Bekanntheits-Zugewinn ergeben. Ob die meisten Spiegel-Leser allerdings das Ziel-Publikum einer freiheitlich-rechten Partei sind, steht auf einem anderen Blatt.

In dem Artikel lässt Stadtkewitz verlauten, die kürzlich verstorbene Berliner Jugendrichterin und Autorin von „Das Ende der Geduld“, einem Buch über Ausländerkriminalität, Kirsten Heisig, hätte eigentlich das sympathische Aushängeschild seiner neuen Partei werden sollen. Sollte das wirklich zutreffend sein, kann man nur sagen: Hut ab vor Stadtkewitz, dies wäre sicherlich ein richtiger Schritt gewesen, denn Heisig hätte bestimmt ein gutes Bild abgegeben. Im Gegensatz zu Stadtkewitz hat man leider bei vielen „Häuptlingen“ der anderen rechten Kleinstparteien den Eindruck, sie würden sich selbst für unverzichtbar halten und keine anderen Führungspersonen neben sich dulden wollen.

Der Prototyp eines solchen „ewigen Vorsitzenden“ ist wohl Republikaner-Chef Rolf Schlierer. Seit 16 Jahren ist der öffentlichkeitsscheue Stuttgarter Parteichef, die Geschichte der REPs seither ein einziges Trauerspiel. Hatte er denn niemals daran gedacht, dass es vielleicht auch an ihm lag? War denn nie ein jüngerer, besserer, öffentlichkeitswirksamer Nachfolger in Sicht, oder hat er nie daran gedacht, einen solchen sogar aufzubauen und zu fördern? Hat er sich darum bemüht, Persönlichkeiten von ausserhalb der Partei zu werben? Stadtkewitz hat hier von Anfang an gezeigt, dass er ein Team-Spieler ist, mit seiner Gründungs-Troika und auch mit der Kontaktaufnahme zu Heisig, bei all den Problemen die das mit sich bringen kann und auch brachte (etwa die Querelen um Aaron König und Dee Ex).

Hut ab natürlich auch für Kirsten Heisig. Im Gegensatz zu Sarrazin (nun war sie ja auch bedeutend jünger) wollte sie persönlich anpacken und sich die Hände schmutzig machen. Von ihrem tragischen Tod ganz zu schweigen. Diese „Enthüllung“ von Seiten Stadtkewitz lässt die Umstände ihres Todes natürlich noch viel fragwürdiger erscheinen. Ich möchte hier jetzt nicht darüber spekulieren, ob es überhaupt Selbstmord war, man macht sich aber schon so seine Gedanken.

***

Nun gab es gestern einen Artikel im Tagesspiegel, wonach Heisig gar nicht bei Stadtkewitz hätte mitmachen wollen. „Freunde und Weggefährten“ äußern Zweifel. Diese Freunde von Heisig sind ein Richterkollege sowie Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Berlin-Neukölln (SPD). Sie könnten sich das nicht vorstellen, und Heisig hätte ihnen auch nichts derartiges mitgeteilt, gleichzeitig muss Jugendrichter Kuperion aber einräumen, dass es zumindest einmal ein Gespräch zwischen Stadtkewitz und Heisig gegeben hat.

Was soll man da jetzt glauben? Vielleicht haben Beide Recht: Womöglich war im Frühjahr/Sommer, oder gar noch früher nicht klar, ob und in welchem Rahmen sich Heisig bei „Die Freiheit“, die es damals ja noch gar nicht gab, eingebracht hätte. Ob Stadtkewitz hier mutwillig übertreibt, oder gar lügt? Das kann uns wohl nur noch er selbst sagen, und er muss es vor seinem Gewissen rechtfertigen, wenn er so etwas über Frau Heisig verbreitet. Im Zweifel glaube ich ihm. Jedenfalls eher als einem SPD-Politiker und einem BRD-Richter, aber wissen kann man es natürlich nicht. Und war Heisig wirklich so eng mit Buschkowsky oder ihrem Richter-Kollegen befreundet, dass sie ihnen alles mitgeteilt hätte? Selbst ein solch hoch-fragiles Projekt wie die damals noch nicht gegründete „Freiheit“?

Wer weiß das alles schon. Daher sollte man die Sache nun nicht noch hochkochen und gegen Stadtkewitz verwenden. Nur weil SPD-Buschkowsky keine Ahnung von eventuellen Plänen Heisigs hatte, und dies wahrscheinlich auch nur auf die Initiative des linken Schmierfinken Lars von Törne hin hinausposaunt, kann man deswegen Stadtkewitz keinen Dreck anhängen (Journalist Törne ist auch taz-Schreiberling und „Integrations“-Fachmann). Denn das war die einzige Intention hinter dem gestrigen Artikel im Tagesspiegel.

Advertisements
  1. TS
    4. Januar 2011 um 18:09

    Wenn die Berliner Morgenpost solche Werbevideos schaltet:

    Dann wird klar das nicht nur Berlin als Stadt, sondern das gesamte Land Probleme hat.

    Aus diesem Grund habe ich mir erlaubt das Video ein wenig umzugestalten:

    Viel Spaß damit 🙂 🙂

    Leider sehe ich in der „Politiksimulation“ „DIE FREIHEIT“ ein gewaltiges Problem für alle konservativen Parteien und Bürgerbewegungen.

    Sinnvoller wäre es die Kräfte, Interessen und Anliegen zu bündeln und zu fokussieren. Gerade im WAHLJAHR 2011.

  2. niekisch
    4. Januar 2011 um 19:31

    „lässt Stadtkewitz verlauten, die kürzlich verstorbene Berliner Jugendrichterin und Autorin von „Das Ende der Geduld“, einem Buch über Ausländerkriminalität, Kirsten Heisig, hätte eigentlich das sympathische Aushängeschild seiner neuen Partei werden sollen.“

    Der alte und immer noch mehr als der Begriff Suizid verwendete Begriff Selbstmord alleine zeigt schon an, daß jegliche Werbung in diesem Zusammenhang kontraproduktiv ist.

  3. Greg
    5. Januar 2011 um 14:21

    Eine Frau die wie eine Hartz IV Empfängerin aus dem Ruhrpott aussieht ist kein gutes Aushängeschild, selbst wenn sie Richterin war und ein Buch geschrieben hat…

  4. 7. Januar 2011 um 15:51

    Naja, also das mit Heisig bezweifle ich. Wer das Buch gelesen hat, merkt, dass sie ein sehr praktischer Mensch vor Ort war und keine Politikerin der ersten Reihe.

    Stadtewitz ist ohnehin nicht der deutsche Wilders. Er hat schon keine Haltung und kein charisma, man sehe sich das Bild in der neusten Zuerst an:

    http://voxpopuliblog.wordpress.com/2011/01/07/hc-straches-reise-nach-israel-video/

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: