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Das Deutsche Reich lebt!

Allerdings nur in der Glotze. Eigentlich wollte ich diesen Artikel ja „Die Deutschen II“ nennen, so wie die gleichnamige ZDF-Doku-Serie. Aber ich dachte mir, bei „Reich“ gibt es ein paar mehr Leser. Nun, sei’s drum.

Das ZDF lässt also die bekannte Geschichts-Serie über die Deutschen neu aufleben. Wie immer unter der Leitung des berüchtigten Guido Knopp. Da der „Weg ins Dritte Reich“ nach herrschender linker Meinung ungefähr 1871 beginnt, gibt es also auch in dieser zweiten Staffel viele Folgen, die zeitlich früher angesiedelt sind, und die daher auch für solche Zuseher geeignet sind, denen der ganze Knopp-Scheiß über die „bösen Deutschen“ des 19. und 20. Jahrhunderts zum Hals raushängt. 

Wobei auch diesmal wieder vier der zehn Folgen  in der Zeit von ca. 1840 bis 1930 angesiedelt sind, also genug Raum dafür lassen, die neuere deutsche Geschichte nach Knoppscher Lesart zu verdrehen.

Es ist natürlich Geschmackssache, ob man die Präsentation gut findet. So gibt es neuerdings Sexszenen, wie in der ersten Staffel wurde wohl wieder hauptsächlich in Osteuropa mit billigen Komparsen gedreht und alles mit den immer gleichen, bekannten Sprechern nachsynchronisiert. Und wie in der ersten Staffel sind auch die animierten Landkarten wieder dabei. Alles in allem ganz nett, und mangels Alternativen kann man sich das schon anschauen, finde ich. Teils ganz schöne Kostüme, teils natürlich hanebüchene Szenen und Kommentare des Sprechers, die nur noch zum Kopfschütteln sind. Wenn es etwa heisst: „Karl der Große, der erste Europäer“. Soll dann wohl heissen: Der Vorgänger von Helmut Kohl und Urvater der EU.

Wie überhaupt durchgehend politische Botschaften über die Serie transportiert werden sollen. Diese Produktion sagt mehr über die heutige Zeit aus, als über die Geschichte, die sie vermitteln will.

Z.B. die Folge 2 über den Stauferkaiser Friedrich II. Der ist natürlich zweifellos „Italiener“, und damit viel lockerer als die verkrampften Deutschen. Voll tolerant und so. Hat muslimische Freunde. Er liebt die orientalische Lebensweise und schätzt die Gesellschaft „muslimischer Gelehrter“. Dann geht er nach Jerusalem und sagt zu dem Sultan: „Du, lass uns doch erst mal drüber reden. Gewalt ist keine Lösung.“ Dann sind alle glücklich, voll die tolerante und multikulturelle Atmosphäre und so. Ein richtiges Vorbild eben. Ok, ein, zwei mal muss er auch nach Deutschland, aber das ist so kalt und verregnet, und auch die Menschen dort sind so kalt und hart und voll gar nicht tolerant und auch noch nicht so bereichert vom aufgeklärten, gebildeten Islam. So lässt er sich erst mal ein paar italienische und orientalische Nutten Schönheiten kommen, und dann wird erst mal schön bei 1.000 Teelichtern gevögelt (Wer’s nicht glaubt, soll sich die Folge selber anschauen!). Danach aber schnell wieder ins kosmopolitische Süditalien!

Werfen wir auch einen kurzen Blick auf die weiteren Folgen: Hildegard von Bingen, endlich mal Gender-Geschichte im Mittelalter (Zusammen mit Rosa Luxemburg wird die Frauenquote so immerhin 20% betragen, da geht aber noch was für die dritte Staffel, oder Guido?). Thomas Müntzer, der erste Revolutionär: die Deutschen waren halt schon immer „Demokraten“ und die deutschen Fürsten waren halt schon immer ganz doll gemein. August der Starke und die Polen: Ja, unsere lieben Nachbarn im Osten. Kein böses Wort über die Polen, hast Du verstanden, Guido?

Alle Folgen im Überblick

Dann endlich: Vier Teile Vorlauf zum Zweiten Weltkrieg. Karl Marx: Der sozialistische Visionär und Begründer alles Guten in der Welt. Einige wenige haben seine Lehren „missbraucht“, erfahren wir aus der Vorschau. Aber da kann ja Marx nichts für, denn im Grunde ist der Kommunismus gut, und somit ist Marx dann auch der erste Gutmensch. Dann kommt Ludwig II., der Einzige der sich den bösen Preußen, den Proto-Nazis, in den Weg stellt. Aber die Bösen gewinnen, Ludwig dreht völlig durch, und – oh Schande – das Deutsche Reich wird geeint, die Ur-Katastrophe des Universums beginnt!

Dann kommt noch Rosa Luxemburg: Kommunistin, Frau und Jüdin – wow! Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal! Eine Traumfrau. Ach, hätte sie doch nur obsiegt, dann hätten wir die DDR schon 30 Jahre früher gehabt und für ganz Deutschland …vielleicht wäre sogar die Weltrevolution drin gewesen. Man kann dieser guten Frau nur nachtrauern. Halten wir fest: Die Judenquote ist mit 20% (Marx & Luxemburg) auch erfüllt. Natürlich noch ausbaufähig.

Und zu guter Letzt Stresemann: Praktisch der Vorgänger der künftigen BRD-Politiker: alle Forderungen des Auslandes erfüllen, Frieden durch Arschkriecherei und Unterordnung. Gut, zur französischen Siegesparade nach Paris fahren, um dort die Niederlage Deutschlands mitzufeiern, oder nach Moskau, das wäre wohl selbst ihm nicht eingefallen, muss man fairerweise sagen.

So also das lustige Potpourri der Knoppschen Märchenstunde. Mit dem Zweiten sieht man … ja was?

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  1. blacksun87
    22. November 2010 um 23:35

    Guter Artikel!

    • 23. November 2010 um 19:06

      Die Überschrift ist am besten! Da hat er richtig vermutet, der Grafenwalder. Die ist mir sofort ins Auge gesprungen 🙂

  2. EUROPIUM
    23. November 2010 um 05:53

    Das dritte Reich beginnt ja auch 1871 :p
    HRR = 1, HRRDN = 2, Kaiserreich = 3, Weimarer Republik = 4, Hitler = 5
    Das treue ehrliche Kaiserreich ist natürlich vielen ein Dorn im Auge, und Preussen ist sowieso Quelle allen Übels, deswegen wird es auch so verteufelt. Aber die Versailler Pseudorepublik oder die NS-Diktatur da hat eigentlich niemand wirklich was gegen. (achtung satire)

  3. 23. November 2010 um 14:23

    „Z.B. die Folge 2 über den Stauferkaiser Friedrich II. Der ist natürlich zweifellos „Italiener“, und damit viel lockerer als die verkrampften Deutschen. Voll tolerant und so. Hat muslimische Freunde. Er liebt die orientalische Lebensweise und schätzt die Gesellschaft „muslimischer Gelehrter“. Dann geht er nach Jerusalem und sagt zu dem Sultan: „Du, lass uns doch erst mal drüber reden. Gewalt ist keine Lösung.“ Dann sind alle glücklich, voll die tolerante und multikulturelle Atmosphäre und so. Ein richtiges Vorbild eben. Ok, ein, zwei mal muss er auch nach Deutschland, aber das ist so kalt und verregnet, und auch die Menschen dort sind so kalt und hart und voll gar nicht tolerant und auch noch nicht so bereichert vom aufgeklärten, gebildeten Islam. So lässt er sich erst mal ein paar italienische und orientalische Nutten Schönheiten kommen, und dann wird erst mal schön bei 1.000 Teelichtern gevögelt (Wer’s nicht glaubt, soll sich die Folge selber anschauen!). Danach aber schnell wieder ins kosmopolitische Süditalien!“

    Natürlich instrumentalisiert jede Zeit die Geschichte. Was Friedrich II angeht, so ist die Darstellung aber schon der Wirklichkeit angenähert. Ich habe einige Werke unterschiedlichster Autoren über ihn gelesen und wir sollten die Sache positiv sehen: Friedrichs Deutschsein t r o t z der Umstände und seiner Umgebung schimmert mit allem Glanz durch. Wir haben einen „stupor mundi“ , einen Verwandler der Welt im positiven Sinne in der Reihe unserer Ahnen, was wollen wir mehr?

    Ein anderer Verwandler der Welt wartet noch darauf – verzögert durch sein Niedergeschlagenwerden -, die ihm gemäße Anerkennung zu finden…

    • Federschlag
      23. November 2010 um 20:52

      „Ich habe einige Werke unterschiedlichster Autoren über ihn gelesen und wir sollten die Sache positiv sehen: Friedrichs Deutschsein t r o t z der Umstände und seiner Umgebung schimmert mit allem Glanz durch.“

      Inwiefern? Woran machst du das fest?

      • 24. November 2010 um 00:23

        abgesehen von zeitimmanenten Verhaltensweisen sein Staatsbildungswille, sein Organisationstalent, sein Wille zu einer Rechtsordnung,sein Schauen auf die Natur,sein Zurückstellen egoistischen Einzelinteresses gegenüber Gesamtinteressen, seine gefühlsmäßige Abscheu gegenüber dem verlogenen damaligen Papsttum in der Person Gregors usw, usw.

  4. BW
    23. November 2010 um 19:43

    Gut geschrieben!

  5. Federschlag
    23. November 2010 um 20:49

    Nun habe ich mir im Netz die Folge über Friedrich II. angesehen und kann es nicht ganz nachvollziehen, wieso man diese Folge so dermaßen verreißt. Ich finde nicht, daß hier Propaganda betrieben wird. Der gute Friedrich war nunmal so – hätte man seine sarazenische Leibwache etwa weglassen sollen, obwohls stimmte? Tut mir leid, aber der gute Kaiser hat sich nunmal mit Muslimen abgegeben und die Araber waren damals nunmal führend in der Forschung. Daß der Ausdruck „muslimische Gelehrte“ in Anführungszeichen gesetzt wurde, finde ich daher schon dreist. Wir Europäer lagen da nunmal weit hinten dran – heute ist es anders. Nur weil man die Muslime heute nicht mag und die nicht gerade (bis auf die Perser) führend sind, was Intelligenz betrifft, sollte man ihnen nicht ihre damaligen Leistungen absprechen. Kritisieren könnte man vielleicht lediglich, ob eine Sexszene wirklich notwendig war. Wie toll die Dialoge sind, ist ebenso streibar. Inhaltlich finde ich diesen Teil jedoch in Ordnung. Insgesamt finde ich die Kritik sehr unpassend … ist (so leid es mir tut, dies sagen zu müssen) fast schon auf dem Niveau mancher linker Netzseiten …

    • Grafenwalder
      24. November 2010 um 01:25

      Die Auswahl der Person Friedrichs II., welche Aspekte seines Lebens und Wirkens besonders betont werden (angeblich friedliches Zusammenleben aller Religionen & Kulturen, die Deutschen/Christen müssten nur nett und fair zu den lieben Moslems sein), sowie die filmische Darstellung & Überbetonung dieses Aspekte – das lässt mich zu dem Schluss kommen, dass hier zu einem gehörigen Maße Propaganda betrieben wird, wie bei JEDER ZDF-Produktion üblich.

      Deswegen zeigt der Film nichts Falsches. Nur die selektive Auswahl und die Art, wie es präsentiert wird, halte ich für fragwürdig.

      Genauso wie die Moslems zuallererst einmal brutale Eroberer waren, dieser Aspekt wiederum wird so gut wie gar nicht thematisiert.

      • Federschlag
        24. November 2010 um 12:45

        Hm … Letzterem kann ich nicht zustimmen. Wurde nicht konkret gesagt, daß die Muslime die Stadt an sich gerissen haben? Das klang in der Doku für mich so: Die Stadt gehörte den Christen, dann eroberten sie die Muslime und dann gab es Gedanken einer christlichen Rückeroberung. Da wunderte ich mich noch: Nanu – man hat das nicht geschönt?

  6. 23. November 2010 um 21:12

    „ich dachte mir, bei „Reich“ gibt es ein paar mehr Leser. Nun, sei’s drum.“

    Wenn das der einzige Grund ist, vom Reich zu reden, so ist das eigentlich sehr schade..

    • Federschlag
      24. November 2010 um 13:02

      Das dachte ich mir auch … vor allem fördert man damit ja auch die Umerziehung, die dem Ausdruck „Deutsches Reich“ einen besonderen Klang verleiht. „Was? Deutsches Reich? Das ist sicher verboten, das sehe ich mir doch mal an …“

  7. Grafenwalder
    23. November 2010 um 23:10

    Heute kam der vierte Teil. Der Oberbrüller: Die Goldene Bulle von 1356 sei „das erste deutsche Grundgesetz“. 😀

    • Alex
      23. November 2010 um 23:56

      Wusste gar nicht, dass bereits dem HRR von seinen Todfeinden eine „Verfassung“ okroyiert wurde…
      Aber so funktioniert das, unterschiedliche Begriffe werden systematisch so lange in einen Topf geworfen, verschlissen und zusammengekleistert, bis dem Volksmund die Unterscheidung verlorengeht und man sich keine Gedanken mehr macht, wohingegen die Leute an den Schalthebeln noch genau wissen, was da los ist und sich die Hände reiben können, dass das Volk keine Ahnung mehr hat.
      Weitere Beispiele: Personalausweis, Deutsches Reich=Drittes Reich=böse, Reichsadler=Naziadler (habe neulich sogar jemanden gehört, der den preußischen Adler auf der kaiserlichen Kriegsflagge als „Reichskriegsadler“ bezeichnet hat), Zwei-plus-Vier-Vertrag=Friedensvertrag usw.

      • Federschlag
        24. November 2010 um 13:00

        Reichskriegsadler? Das ist doch mal ein Neologismus … die hatten einen eigenen Kriegsadler? 😉

        Das ist aber wirklich traurig, wie viele Begriff negiert werden. Es muß nicht einmal mehr Deutsches Reich heißen, auch bei Reich alleine wird man schon blöd angesehen.

        Grundgesetz mag an sich ein neutraler Begriff sein, in dem Kontext aber sehr propagandistisch. (Werde ich mir nachher eh mal bei ZDF im Netz ansehen.) Die erste (gesamt)deutsche Verfassung war die von 1849. Dann kam die (kleindeutsche) Verfassung des Kaiserreiches, dann die (als großdeutsch angelegte) der Weimarer Republik. Seitdem gab es keine neue Verfassung. Das GG mag wie eine aussehen, ist es aber nicht. Erkennt man an manchen Stellen sehr deutlich. Das tolle GG gäbe es auch ohne die vorangegangenen Verfassungen gar nicht. Und daß ein mitteralterlicher Erlaß etc. Ähnlichkeiten damit haben soll, halte ich mal für sehr unpassend. Aber klar – man muß ja die Wichtigkeit des GG betonen, auch wenn es um das Mittelalter geht. Die erste Kristallnacht war ja auch im 14. Jahrhundert …

  8. 24. November 2010 um 00:34

    „Der Oberbrüller: Die Goldene Bulle von 1356 sei „das erste deutsche Grundgesetz“.

    Mit Verlaub, Grafenwalder,was ist denn da nun schon wieder auszusetzen?

    Wenn wir das GG zumindest als Organisationsstruktur des besonderen Gebildes BRD gelten lassen, warum dann nicht auch die „Goldene Bulle“ als Organisationselement des ebenso besonderen Gebildes „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“, das schon im Namen ausdrückt, eine Fehlgeburt aufgrund befleckter Empfängnis durch den Sündenfall des Christentums durch die Deutschen bzw. ihre Ahnen gewesen ist..Auch dies kam ja im IV. Teil eigentlich sehr schön zum Ausdruck..

    Wann hören wir Deutschen auf,immer und ewig Punchingball fremder Schläger zu sein..

    • Grafenwalder
      24. November 2010 um 01:17

      Es ging mir weder darum, die Organisationsstruktur des Reiches, noch das Grundgesetz zu verunglimpfen, so wie du das tust. Ich halte es lediglich für höchst fragwürdig, das GG von 1949 mit dem Kaisertum des Mittelalters in Verbindung zu bringen, was offensichtlich nur geschieht, um das GG aufzuwerten und nachträglich eine Traditionslinie herzustellen, die es nicht gibt.

  9. 24. November 2010 um 10:31

    „das Grundgesetz zu verunglimpfen, so wie du das tust.“

    Und worin genau soll die Verunglimpfung liegen? Du brauchst doch nur den alten Art. 146 GG lesen. Der sagt doch selber, daß das GG ein Aufzuhebendes ist.

    • Federschlag
      24. November 2010 um 13:06

      … bis daß das ganze deutsche Volk eine neue Verfassung demokratisch beschlossen hat. Auf diese neue Reichs- bzw. Bundesverfassung warte ich immer noch. Ich glaube, der PDS fiel das nach der Teilvereinigung sogar mal auf, daß da etwas „vergessen“ wurde …

      Der Oberwitz beim GG ist ja der Artikel (weiß nicht mehr genau, wo der steht), in dem es heißt, daß der, der, dieser, jener und auch noch dieser Artikel der Weimarer Reichsverfassung (!) Bestandteil dieses GG sind. Punkt! Wo stehen die Artikel denn? Wenn man nicht eine kommentierte Ausgabe besitzt, darf man sich die 1919er Verfassung raussuchen und nachschauen, was bei diesen Artikeln drinsteht. Da kann man es nicht abstreiten: Das war nur als Übergangslösung gedacht.

      An sich finde ich ja, daß das GG durchaus viele guten Stellen hat. Nur sehe ich nicht ein, wieso man dem deutschen Volk die versprochene neue Verfassung vorenthält …

  10. Federschlag
    24. November 2010 um 12:53

    Nett fand ich übrigens, daß man bei der Stelle, wo Walther von der Vogelweide vorkam, wirklich Mittelhochdeutsch (!) zu hören bekam. Meiner Sprachkenntnis nach sogar richtig ausgesprochen. Immerhin: Da hat man sich mal Mühe gemacht. (Ob die Szene an sich realistisch war, zweifel ich allerdings an, denn war es nicht so, daß die ganzen Sänger dieser Zeit nicht nur dichteten, sondern ihr Liedgut musikalisch untermalt vortrugen? Aber gut, das sind jetzt Kleinigkeiten, um die man sich streiten kann.)

    Was mir noch auffiel: Die Einleitung!

    Die ersten Sätze fand ich gut, denn es war nunmal so, daß die ganzen Stämme sich erst im Laufe der Zeit als Deutsche sahen, zu einer Nation wurden. Richtig deutsch wurde es dann erst im 15. Jahrhundert.

    Die Bilder dazu passetn auch.

    Dann aber kam es: „Es lebe die Freiheit!“, „Es lebe die Republik! etc. Luxemburg, Stresemann etc. kommen am Ende dran. Hier wird ganz deutlich wieder gesagt: Bevor diese Menschen kamen, war alles suboptimal. Als ob das GG 1949 die höchste Blüte deutscher Kultur darstellen würde. Als ob die deutsche Geschichte mit der Ausrufung der Republik ihren Höhepunkt erreicht hätte. Wieso konzentriert man sich da in der Einleitung so stark auf den Beginn der Weimarer Republik? Das wirkt schon stark propagandistisch …

  11. Grafenwalder
    24. November 2010 um 14:11

    niekisch :

    „das Grundgesetz zu verunglimpfen, so wie du das tust.“

    Und worin genau soll die Verunglimpfung liegen? Du brauchst doch nur den alten Art. 146 GG lesen. Der sagt doch selber, daß das GG ein Aufzuhebendes ist.

    Vielleicht habe ich Dich ja missverstanden, lieber niekisch, aber schriebest Du nicht, das HRR sei eine Fehlgeburt gewesen, weil es christlich war?

    Du schriebest, sowohl das HRR, als auch die BRD seien „besondere Gebilde“. Was soll das bedeuten? Etwa, dass beide fehlerhaft, nicht vollkommen wären? Nunja, ein GG von 1949 ist immernoch besser als ein totalitäres Nazi-Regime 1945, mit dem „Verwandler der Welt“ Adolf Hitler als Führer.

    • 24. November 2010 um 23:33

      Lieber Grafenwalder,gerne gebe ich zu,bisweilen kryptisch zu schreiben. Das hat den Vorteil, nicht so viel schreiben zu müssen:-) Und ich habe bessere Chancen in der Replik, weil ich Fehler noch korrigieren kann und besser parieren kann:-) Kann ich Dir nur empfehlen..Jetzt in Form von Gegenfragen:

      1. Zeigt der Name „Heiliges Römisches Reich D(d)eutscher Nation“ eine normale Geburt an, auch durch Kaiser(!)schnitt? Oder eher das, was mein Namensvetter Ernst Niekisch schon immer angeprangert hat, nämlich die Wesensverfremdung der Deutschen auch in politischer Hinsicht durch das über Rom transportierte Judenchristentum? Infolgedessen auch die Besonderheit des Gebildes?

      2. Ist die BRD etwa ein normales Gebilde, ein normaler Verfassungsstaat des Souveräns deutsches Volk als Creator?

      3. Kann man ein durch Besatzungsmächte genehmigtes Verfassungsersatzkonstrukt mit einer deutschen Volksabstimmungsdiktatur wirklich vergleichen?

      4. Hat Adolf Hitler etwa die Welt so hinter sich gelassen, wie sie vor ihm war?

      Knut Hamsun hat ihn 1946 als „großen Reformator“ bezeichnet, wenn ich recht zitiere. Wissen wir, was andere in 800 Jahren sagen? Bei Friedrich II. hat es ebenfalls 800 Jahre gedauert, bis das Urteil „stupor mundi“ nahezu unstreitig wurde. Adolf Hitlers Verbrechen könnten ebenso wie Friedrich II. Grausamkeiten in den Hintergrund treten, aus dem „kreuziget ihn“ ein „Hosiannah“ werden. Wer weiß? Weißt Du es?

  12. Romantiker
    24. November 2010 um 16:42

    Ich hab es mir noch nicht angesehen, klingt aber ganz interessant (wie auch dein Text selbst).

    Was ich aber auch wieder vermute, dass die Macher kein Sinn für das Heroische, Große haben.
    Meistens wird die Geschichte nicht nur aus dem heutigen Kontext gesehen, sondern , man muss schon sagen, aus dem heutigen linken Kontext. Im Zweifelsfall geht es gegen die Deutschen und wenn schon nicht alles schlecht an deutscher Geschichte war, dann gab es aber sogut wie nichts, was vorbildhaft sein könne und aber überhaupt sowas von gar nichts, was zu irgendeiner nationaler Erhebung berechtige.
    Das alles wird eben als protofaschistisch verstanden oder als zumindest nicht so superliberal und urdemokratisch, wie es die heutige ja ist BRD, wordurch die völlige Abschneidung von der eigenenen Geschichte und Traditionen, wenn auch von den Allierten in der Umerziehung geplant und gefördert, heute als etwas positives gesehen wird. War nun diese allierte Umerziehung so stark, der Wille zur Selbstverleugnung und Selbsterziehung der Deutschen oder hat das alles seine Berechtigung?
    Anscheinend hat man in der Doku dann doch noch paar helle Flecke in der deutschen Geschichte gefunden. Multikulti unter Friedrich II. Yeah!

    Fragt mich jetzt nicht, wo ich es gelesen habe, aber es so weit ich mich erinnern kann war es ein Buch, bei dem ist die gesamte deutsche Geschichte und damit auch das deutsche Volk ab 1300 als unheilvoll merkwürdig und latent bösartig analysiert wurde. Ich sage: Selbst wenn das der Fall wäre, wäre das heute wirklich zu verurteilen?
    Es ist eben Schicksal einer Nation. Sich von außen zwanghaft sein Wesen diktieren zu lassen, ist eine Art seelischer Völkermord.
    Ich kann mich mit dem düsterem, romantischen Deutschen mehr identifizieren, als dem weltoffenem, bunt-ausgeflippten Universalbürger.

    Abschließend muss man aber auch zustimmen, dass jede Zeit die Geschichte instrumentalisiert. Insofern eigentlich nichts überraschendes.

    Letztens laß ich in der Zeit online glaube ich auch, dass Arndt und auch die gesamte 48er Revolutionäre häßliche großdeutsche Nationalisten waren und der Begriff der deutschen Nation überhaupt eine ziemlich doofe sei.

  13. 25. November 2010 um 11:47

    „Sich von außen zwanghaft sein Wesen diktieren zu lassen, ist eine Art seelischer Völkermord.“

    Schön ausgedrückt, Romantiker!

  14. Grafenwalder
  15. DLC
    25. November 2010 um 17:35

    (Ich poste hier nochmal, weil im Thread zum GG schien es nicht zu funzen)

    Bevor ich auf den Inhalt eingehe, muss ich erstmal die Umstände des Entstehens ablehnen.

    Selbst wenn die neue Verfassung inhaltlich identisch wäre, wäre eben das der entscheidende Unterschied, dass das deutsche Volk selbst darüber abstimmen dürfte.

    Aber ich sehe es eher positiv. Dass es nicht gemacht wird, lässt uns zumindest einen „legalen“ Notausgang aus der BRD.

    Zum Inhalt… alles recht schön und lustig, Friede, Freude, Eierkuchen.

    Freie Entfaltung der Persönlichkeit, freie Religionsausübung, Unverletzlichkeit der Wohnung, hört sich ja ganz nett an.

    NUR… in diese Grundrechte darf „nur“ in Form eines Gesetzes eingegriffen werden.

    Was die Grundrechte somit automatisch unterläuft.

    Mir wäre lieber, wenn klarer, verbindlicher aufgeschrieben werden könnte, wo genau die Freiheit des Einzelnen aufhört.

    Oder zumindest die Tatsache respektiert werden, falls ein weiteres Recht eines der Grundrechte beschneidet, dass das Grundrecht immer höherrangiger ist und nur in sehr speziellen Einzelfällen das weitere Recht greifen muss.

    Aber meist ist es ja so, dass die Grundrechte grundsätlich und verbindlich allgemein eingeschränkt werden, sobald sich weitere Gesetzte darauf beziehen.
    Was für mich Zweifel am eigentlichen Sinn seiner Existenz aufwirft…

    Wenn z.B. jemand ohne Fremdgefährdung und in verantwortungsvoller Weise als (zumindest in seinem Einzelfall) Bereicherung seines Lebens zur Ausübung seines Grundrechtes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ab und zu mal kifft, wird er trotzdem verfolgt, Selbst wenn der Staat ohne Fremdgefährdung kein Interesse an der Verfolgung haben dürfte und diese auch dem Grundgesetz widerspricht.
    Genauso wer seine Persönlichkeit entfaltet, indem er deutsche Kultur lebt und unsere Helden ehrt, kommt evtl. in Konflikt mit dem Verfassungsschutz, obwohl dieses Recht dem Bürger ebenso zuzusprechen ist, wie das Recht des Staates, seine Existenz (auch die Wahrheit kann einen Staat gefährden, weis man ja). Zumindest müsste im Einzelfall abgewogen werden, wessen Recht gerade stärker greift, ob z.B. jemand tatsächlich Propaganda betrieben hat, um den Staat abzuschaffen, oder ob er nur für sein eigenes Seelenwohl öffentlich feiert oder sonst was.

    Jedenfalls ist das GG für mich auch ein Stückweit schwammige Gutmenschenpropaganda, weil man zuguterletzt alles durch weitere Gesetze so regeln und „begründen“ kann, dass sämtliche Grundrechte nur mehr als „theoretische, abstrakte Richtlinien“ die z.B. im Widerstreit mit Wirtschaft und Machtpolitik grundsätlich vernachlässigt werden.

  1. 28. November 2010 um 11:25

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