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The Pacific: Spielbergs Kriegs-Porno

Derzeit läuft auf Kabel Eins die Fernsehserie  „The Pacific“ (jeweils Do, 22:15 Uhr). Produziert u.a. von zwei alten Bekannten im „Kriegs-Geschäft“, Steven Spielberg und Tom Hanks. Kategorie: Kriegs-Porno.

Kriegs-Porno deshalb, weil es hier einzig darum geht, die amerikanischen Truppen so gut es geht zu glorifizieren, ihre Leistungen zu würdigen und zu überhöhen, und dabei soviel Action und Tränendrüsen-Emotionen wie möglich einzubauen.

Und die Brutalität kennt keine Grenzen, Explosionen, Feuergefechte am laufenden Band. Und hinterher das obligatorische Zähne-Rausbrechen. Es findet eine primitive Ergötzung statt, fernab von künstlerischem Anspruch oder gebotener Mäßigung. Wie im Porno eben.

Man frägt sich unweigerlich: was ist hier Fiktion und was Realität? Vor allem, weil kein Krieg im Nachhinein solch eine Färbung in Schwarz und Weiß, Gut und Böse erfuhr wie jener. Und das, obwohl in der Realität doch eher die Grautöne überwiegen sollten. Trotzdem prägen hunderte, meist amerikanische Kriegsfilme unser Bild vom Zweiten Weltkrieg.

Ein Aspekt, den ich immer wieder als besonders erschreckend empfinde, ist die Darstellung des Umgangs mit Gefangenen. Solche werden oft von den US-Helden gar nicht erst gemacht, bzw. hinterher kurzerhand erschossen. Hier befleckt eine große Schande die in der Eigendarstellung blütenreine, weiße Weste. Diese sowohl rechtswidrige als auch moralisch abstoßende Praxis der Gefangenen-Erschießung und -Verstümmelung wird neuerdings in kaum einem Spielberg-Film mehr ausgespart. Nicht nur bei ihm natürlich, aber Spielberg hat in den letzten Jahren viele Kriegsfilme gedreht, und jedesmal solche Szenen eingebaut. Klassiker, wenn es um das Abschlachten Unbewaffneter geht, ist natürlich „Das dreckige Dutzend“ von 1967. In dieser Tradition stehen auch betont unhistorische Witzfilme wie „Inglourious Basterds“. Jedoch kommen in jüngerer Zeit eben vermehrt die zahlreichen Spielberg-Produktionen daher, die im Gegensatz zum genannten Trash weitgehend „geschichtlich authentisch“ sein wollen. Also „Saving Private Ryan“, „Band of Brothers“ und jetzt „The Pacific“. Auch „Shutter Island“, nicht auf Spielbergs Mist gewachsen, sei hier als aktuelles Beispiel genannt.

Neben Szenen, in denen sich ergebende Soldaten, bereits gefangengenommene Soldaten oder Zivilisten erschossen werden, oder Verwundete umgebracht (meist zynisch als „Erlösung“ oder „Gnadenschuss“ noch in eine gute Tat eines besonders humanen Helden umgemünzt) werden, bleiben vor allem  die Fälle des würdelosen Umgangs mit gefallenen Gegnern im Gedächtnis. Also die Plünderung von Leichen und natürlich das allseits bekannte und besonders abstoßende Ritual des Herausbrechens der Goldzähne. Einzig: es scheint keinen zu interessieren. Weder die Offiziere oder Kameraden im Film, und auch der Regisseur tut nichts dazu, dieses Verhalten in irgendeiner Weise zu verurteilen. Lediglich dem Zuschauer selbst bleibt es überlassen, ob er ein solches Handeln missbilligt, einfach mit einem Achselzucken abtut oder gar mit Faszination noch gutheißt.

"Steamboat Willie" kurz vor seiner gerechten Hinrichtung ("Saving Private Ryan")

Das Thema wird ja bewußt von den Machern aufgegriffen, obwohl man es auch aussparen könnte (wie etwa in älteren Kriegsfilmen). Zwei Motive kann ich dafür erkennen:  Erstens, man möchte  Kritiken vorgreifen, dass diese Kriegsverbrechen nicht gezeigt würden, obwohl es sich doch um „authentische“ Filme handeln solle.  Zweitens soll eine Ambivalenz vorgegaukelt, also das Gut-Böse-Schema leicht verwischt werden. Beides dient jedoch nur dazu, die  ganze Erzählung  insgesamt glaubwürdiger zu machen.  Also das an sich fragliche Bild des gerechten Krieges mit den Amerikanern als „die Guten“ zu zementieren. Nach dem Motto: Wir geben etwas zu, jedoch waren das nur Einzelfälle, und (ganz wichtig!) diese Verbrechen sind auch immer im Kontext zu sehen und daher mehr oder weniger gerechtfertigt und entschuldbar.

Sei es durch irgendein anderes, „allgemeineres Unrecht“ des Kriegsgegners (illegitimer Angriffskrieg, Holocaust, grausame Kriegsführung, Massaker und Verbrechen an anderen Schauplätzen, etc.) oder durch eine in der Erzählung kurz zuvor inszenierte Grausamkeit der Gegenseite.  So wird beispielsweise in Filmen über den Pazifikkrieg (übrigens auch über den Vietnamkrieg) oft zu Beginn eine durch „Asiaten“ verstümmelte Leiche in irgendeinem Urwald entdeckt. Prompt scheint das unmenschliche Vorgehen angebracht. Ein sehr oft wiederkehrendes Motiv. Auch wird propagiert, die Japaner würden sich alle bei Gefangennahme selbst in die Luft sprengen, oder es würde sich keiner freiwillig ergeben. Inwieweit das der Wahrheit entspricht ist die ganz große, spannende Frage.

Auch Clint Eastwood hat das Szenario mit seinen Filmen „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of Our Fathers“ aufgegriffen. Im Gegensatz zu Spielberg gelingt Eastwood eine gewisse Glaubwürdigkeit. Das liegt zum einen an seiner Person, denn im Gegensatz zu Spielberg ist er nicht als ausgewiesener Deutschen- respektive Japaner-Hasser bekannt. Weiterhin ist „Letters“ ja praktisch eine japanische Koproduktion (Wobei ich jedoch nichts genaues über die Rezeption des Films in Japan oder Kritik an der Darstellung der Japaner in diesem Film sagen kann – soweit ich weiß, ist er aber auch in Japan größtenteils auf Akzeptanz gestoßen). So wird auch hier die Ermordung von Gefangenen gezeigt, jedoch nicht so plump gerechtfertigt wie bei Spielberg. So gibt es beispielsweise eine Szene, in welcher sich der Freund des japanischen Hauptcharakters ergibt und danach kurzerhand erschossen wird, was doch einen sehr bitteren Nachgeschmack über die amerikanische Praxis hinterlässt. Hinterher werden die Ermordeten von den Japanern gefunden, die dadurch natürlich gewarnt sind, und sich nicht mehr so schnell ergeben werden. Bleibt die Frage: Was war zuerst, die Henne oder das Ei?

„The Pacific“: Folge 9 – „Okinawa“ läuft nächsten Donnerstag. Ich habe sie schon gesehen, sie dreht sich hauptsächlich um diesen Aspekt. Es gibt bei den Marines gar offizielle Order, keine Gefangenen zu machen, lässt ein Soldat verlauten. Und wenn, sind diese jederzeit in Gefahr, von launenhaften  Inselbefreiern abgeknallt zu werden. Auch verwundeten Zivilisten wird großmütig von heldenhaften GIs der Gnadenschuss gewährt. Meister Spielberg in seinem Element. Er kann meiner Meinung nach auch hier nicht überzeugen, wenn er diese Verbrechen ehrlich aufarbeiten will. Denn am Ende erscheint der Hauptcharakter als großzügig und über-menschlich, weil er nicht mehr vorsätzlich Unbewaffnete und Zivilisten erschießt. Die, die es weiterhin tun, werden nicht kriminalisiert. „Alles erschießen, was Schlitzaugen hat“, ist immer noch die Normalität, nach Spielberg absolut zulässig und gerechtfertigt, und den armen, traumatisierten boys nachzusehen – schliesslich kümmerten sich die Japse ja selbst keinen Deut um Menschenleben. Es nicht zu tun, also die Regeln einzuhalten, zeugt aber von besonderer Größe und Gnädigkeit, ein Bonus sozusagen, welcher den Protagonisten der Folge geradezu adelt.

Souvenirs, Souvenirs ... lustig, gell?

Wie sah die Realität wirklich aus? Wer glaubt die Spielberg-Version? Wir wissen, dass in Europa vielerlei Massaker von US-Soldaten an Deutschen stattfanden, wohingegen das Gegenteil nur in wenigen, gut dokumentierten Einzelfällen bekannt ist. Sicher, der Kampf war hart, trotzdem verhielten sich die Deutschen nicht barbarisch. Die Amerikaner geben dies jedoch sogar in ihren Propagandafilmen zu, wenngleich sie es meist nicht als barbarisch darstellen, sondern eben als „normal“. Ernest Hemingway lässt grüßen.

Da drängt sich die Frage nach den wirklichen Gepflogenheiten im Pazifikkrieg doch geradezu auf. Was weiß man hierzulande schon darüber? „Schwarz-weiß“ im Quadrat, Brücke am Kwai, diverse Massaker, Halbwissen aus Filmen eben. Ist dem zu trauen? Ich bin da skeptisch. Vielleicht kennt jemand gute Bücher, Filme, Essays oder Zeitungsartikel zu dem Thema? Dann bitte hier posten. Immerhin gibt es schon mal einen englischen Wikipedia-Artikel, mit brauchbaren Verweisen zu teils erstaunlichen Berichten (siehe unten)!

Ja, es geht hier um Revision. Revision der Hollywood-Version, um das Herantasten an die „wahre“ Geschichte. Denn ich vertraue Spielberg & Co. nicht. Aber Geschichte wird heutzutage zu allererst durch Filme vermittelt. Das kann man gar nicht genug betonen. Um so ärgerlicher, dass hier einem Spielberg das Feld überlassen wird!

>> The Observer: Film exposes Allies‘ Pacific war atrocities

>> Telegraph: American troops ‚murdered Japanese PoWs‘


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Kategorien:Feuilleton, Geschichte, USA
  1. blacksun87
    4. September 2010 um 18:02

    Die Amis waren und sind Dreckschweine,Kriegstreiber!

    Angefangen hat wohl alles als sie vor über hundert Jahren den hafen von Tokyo blockiert haben und sie zum tollen „freihandel“ gezwungen haben.

    Die Japaner hatten damals noch Holzschiffe.

    • blacksun87
      4. September 2010 um 18:14

      Edo-Ära (1603–1867)
      Während der Abschließung Japans in der Edo-Zeit waren Aus- und Einreise für Japaner und Ausländer verboten. Mit Ausnahme von beschränktem Austausch mit China und den Niederlanden bestand kaum Kontakt zu anderen Staaten. Die Tokugawa-Familie behielt für über 250 Jahre die Kontrolle über die anderen Daimyō. Diese Periode war von großer Prosperität für das japanische Volk geprägt. Die Bevölkerung wuchs stetig. Das heutige Tokio wuchs in dieser Zeit zur größten Metropolregion der Welt. 1854 segelte US-Admiral Matthew Perry mit seiner Flotte von vier Kriegsschiffen unbehelligt in den Hafen des heutigen Tokio, um einen Brief des US-Präsidenten Millard Fillmore zu übergeben, in dem dieser die Tokugawa-Regierung zum offenen Handel mit den Vereinigten Staaten auffordert. Die Leichtigkeit, mit der Perry in den Hafen einlaufen konnte, offenbarte die Schwäche des Tokugawa-Regimes. Dies führte zu einem Aufstand regionaler Herrscher und mündete letztlich in eine Wiedereinsetzung des Kaisers, dem nur wenig reale politische Macht verliehen wurde.

      Shōwa-Ära Teil 1 (1926–1945)
      1931 besetzte Japan den Nordosten Chinas und gründete 1932 den abhängigen Staat Mandschukuo (Mandschurei). 1937 eroberte Japan weitere Territorien von China. Japan vertrieb mit Unterstützung Siams und anfangs diverser Einheimischer die europäischen Kolonialmächte aus den südostasiatischen Ländern, um sein eigenes Kolonialreich auszubauen. Die USA sahen ihre Interessen in Asien (vor Allem ihre Kolonien wie die Philippinen) gefährdet und reagierten mit zahlreichen Sanktionen, insbesondere mit der Washingtoner Flottenkonferenz, einem Embargo und dem Einfrieren japanischen Vermögens im Ausland. Im Dezember 1941 griffen daraufhin japanische Truppen den US-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. Damit weitete sich der Zweite Weltkrieg auf den Pazifischen Ozean aus. Nicht nur in China, sondern auch in den anderen japanischen Territorien Südostasiens geschahen Kriegsverbrechen, z. B. Zwangsprostitution, das Massaker von Nanking und Menschenversuche durch die Einheit 731. Bis 1945 gelang es alliierten Truppen Gebiete nahe den japanischen Inseln zu erobern, doch besonders auf kleineren Inseln – auch fernab des japanischen Kernlandes – tobten noch heftige Kämpfe. Der Kaiser, sowie der Premierminister und seine Anhänger wollten Friedensverhandlungen aufnehmen, doch das Militär hatte mehr Macht. Am 6. August 1945 warfen die US-Amerikaner eine Atombombe über der Stadt Hiroshima und am 9. August eine weitere über Nagasaki ab. Noch heutzutage leiden viele Menschen und ihre Nachkommen unter den Folgen der Strahlenkrankheit (Hibakusha). Nach den Atombombenabwürfen und dem Kriegseintritt der Sowjetunion am 8. August 1945 kapitulierte Japan am 15. August 1945 bedingungslos, der Kaiser verlas um 12.00 Uhr mittags den „kaiserlichen Erlass zur Beendigung des Krieges“, der über Radio übertragen wurde.

      Wikipedia

      Atombombenabwürfe sind natürlich keine Verbrechen… tja der Sieger schreibt die Geschichten…

  2. Grafenwalder
    4. September 2010 um 18:10

    blacksun87 :

    Die Amis waren und sind Dreckschweine,Kriegstreiber!

    Leider zu verallgemeinernd und am Thema vorbei. Ich bitte, beim Thema zu bleiben. Das Thema sind Kriegsverbrechen des amerik. und jap. Militärs im Zweiten Weltkrieg, insbesondere die amerik. Praxis, keine Gefangenen zu machen.

    Es geht nicht um Kriegsgründe, Imperialismus oder „die bösen Amis“ allgemein.

    • blacksun87
      4. September 2010 um 18:15

      Wollt grade noch was dazu schreiben hängt das bei dir fest?

      • Grafenwalder
        4. September 2010 um 18:17

        Wurde als Spam erkannt, ist jetzt freigegeben.

  3. blacksun87
    4. September 2010 um 18:14

    Da es auch um Hollywood geht:

  4. Frodrik
    4. September 2010 um 19:17

    Heute ist die Playstationgeneration mit Heavy-Metal im Panzer unterwegs unt tötet ohne zu wissen warum und wofür.
    „It’s the ultimate rush — you’re going into the fight with a good song playing in the background“

    Nichts anderes als unverantwortliche Kindersoldaten aus den degenerierten USA!

    Man beachte dabei die (gelegentlich) gut platzierte Werbung der Bundeswehr, offenbar scheint man durchaus die jüngeren Nutzer einer Videobörse als Zielgruppe zu haben. Wow!

    • blacksun87
      4. September 2010 um 20:14

      Was haben Spiele damit zu tun?

      Spiele sind eher dafür da um die Leute ruhig zu halten.

      So wie früher in Rom.

      • Frodrik
        5. September 2010 um 00:12

        Nein, nein, sollte keine Killerspiel-Diskussion werden. Es geht dabei schlicht um die „Generation“, welche mit der Playstation gross wurde und nun in den Krieg zieht.

        Sieht und hört man in den Beiträgen allerdings den ein oder anderen Soldaten, könnte man durchaus meinen dass die Amis dies alles für ein Spiel halten. Moralisch gefestigt sieht mir anders aus.

  5. Thoniz
    5. September 2010 um 20:55

    Hat jemand von euch die Filme „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ gesehen? Es handelt sich um die Verfilmung der Schlacht um Iwo Jima einmal aus der Sicht der Amerikaner und einmal aus der Sicht der Japaner.

    Wieviel Hollywood und wieviel Wahrheit nun in den Filmen steckt weiß ich leider nicht, aber ich fand die Filme allein gut, weil sie eben beide Perspektiven zeigen.

    • blacksun87
      7. September 2010 um 01:18

      nein aber hört sich gut an muss ich mir mal ansehn..

      • Grafenwalder
        7. September 2010 um 21:27

        Ich habe auch auf den Film bei Youtube verlinkt, nur halt mit englischen Untertiteln.

  6. Grafenwalder
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